Pause beim Genusswandern auf einem ruhigen Waldweg – ausgestreckte Beine mit Wanderschuhen im Vordergrund, umgeben von grünem Wald und sommerlichem Licht.

Eine Nachricht, die mich nachdenklich gemacht hat

Vor einiger Zeit habe ich eine Nachricht erhalten, die mich länger beschäftigt hat:

„Es ist schön, dass du deine Wanderungen mit uns teilst. Deine Wanderungen sind aber keine richtigen Wanderungen.“

Ein Satz, der erst einmal hängen bleibt. Und leider ist es kein Einzelfall. Solche Aussagen begegne ich immer wieder – in Nachrichten, Kommentaren oder zwischen den Zeilen. Ganz ehrlich: Manchmal erzeugt das Druck. Druck, weil Wandern oft mit Leistung gleichgesetzt wird. Mit Höhenmetern, Kilometern und klar definierten Zielen. Druck, weil es scheinbar schnell eine Vorstellung davon gibt, was als „richtige“ Wanderung gilt – und was nicht.

Genau deshalb möchte ich in diesem Blogpost erklären, warum man sich beim Wandern überhaupt keinen Druck machen muss. Warum Genusswanderungen nicht weniger wert sind. Und warum sie für mich oft genau das sind, was ich brauche.

Nicht jede Wanderung beginnt mit Höhenmetern – manche beginnen mit dem Wunsch, einfach draussen zu sein.

Wandern darf leicht sein

Nicht jede Wanderung muss fordernd sein. Davon bin ich überzeugt. Und es gibt viele gute Gründe, warum man nicht immer eine grosse Tagestour macht oder machen kann.

Manchmal ist der Körper müde oder nicht ganz fit, und trotzdem möchte man draussen sein. Manchmal fehlt schlicht die Zeit, und eine kürzere Wanderung hilft dabei, den Kopf zu lüften und neue Energie zu tanken. Und manchmal ist da einfach das Bedürfnis nach Ruhe – nach Natur, nach Langsamkeit und nach dem Gefühl, unterwegs zu sein, ohne etwas leisten zu müssen.

All diese Gründe sind legitim. Und all das ist Wandern.

Was Genusswandern für mich bedeutet

Genusswandern beginnt für mich dort, wo sich der Fokus verschiebt. Weg von Kilometern, Höhenmetern oder einem Gipfelkreuz – hin zum Erleben. Es geht nicht darum, möglichst viel zu schaffen, sondern darum, bewusst unterwegs zu sein.

Beim Genusswandern bin ich entspannt und gemütlich unterwegs. Ich gehe langsamer, nehme meine Umgebung intensiver wahr und lasse mich auf das ein, was gerade da ist. Geräusche, Gerüche und Lichtstimmungen bekommen plötzlich Raum. Pausen entstehen nicht aus Erschöpfung, sondern aus dem Wunsch heraus, stehen zu bleiben, zu schauen und zu atmen.

Es geht nicht darum, möglichst weit zu kommen, sondern ganz da zu sein.

Genusswanderung oder Spaziergang – wo liegt der Unterschied?

Eine Frage, die immer wieder auftaucht: Wo endet der Spaziergang, und wo beginnt die Genusswanderung? Für mich liegt die Abgrenzung weniger in der Schwierigkeit als in der Haltung.

Ein Spaziergang ist oft spontan, kurz und findet meist in vertrauter Umgebung statt. Eine Genusswanderung hingegen ist bewusst als Tour gedacht. Man ist länger unterwegs, bewegt sich durch eine natürliche Landschaft, folgt einem Weg abseits von Quartierstrassen und Asphalt. Man zieht Wanderschuhe an, nimmt Wasser mit und plant Zeit ein – nicht, um Leistung zu erbringen, sondern um draussen zu sein.

Diese bewusste Entscheidung, sich auf den Weg zu machen, macht für mich den Unterschied.

Niemand soll dir dein Wandern absprechen

Genusswanderungen werden manchmal belächelt oder als „zu wenig“ abgetan. Doch Wandern ist kein Wettbewerb. Es gibt keine Mindestanforderung an Distanz, Dauer oder Höhenmeter.

Auch kurze Genusswanderungen sind völlig in Ordnung. Auch langsames Gehen ist in Ordnung. Jede und jeder darf das eigene Tempo wählen, die eigene Länge, den eigenen Rhythmus. Ob jemand anderes deine Tour als Wanderung oder Spaziergang wahrnimmt, sagt nichts über deinen Weg aus – sondern nur über seine Erwartungen.

Du musst dich für deine Art zu wandern weder rechtfertigen noch erklären.

Warum Genusswanderungen so lange nachwirken

Gerade die ruhigen Touren bleiben mir oft besonders in Erinnerung. Nicht, weil sie spektakulär waren, sondern weil ich wirklich da war. Weil ich Zeit hatte, hinzuschauen, zuzuhören und bei mir selbst anzukommen.

Genusswanderungen schaffen Raum. Raum für Gedanken, für Stille und für das Gefühl, Teil der Landschaft zu sein. Oft sind es genau diese Tage ohne grosses Ziel, die am längsten nachhallen.

Genusswanderungen im Blog entdecken

Viele der Wanderungen, die ich hier auf dem Blog teile, sind genau solche Genusswanderungen. Sie sind nicht durch Leistung definiert, sondern durch Atmosphäre, Landschaft und das Gefühl, unterwegs genau richtig zu sein. Alle entsprechenden Touren findest du unten über den Button „Genusswanderung“, wo ich sie laufend ergänze.

Lust auf mehr Genuss unterwegs?

Genuss beim Wandern sieht für jede Person anders aus. Vielleicht ist es für dich ein stiller Weg entlang eines Sees, eine kurze Tour mit Aussicht oder eine Wanderung, bei der genügend Zeit für Pausen bleibt. Was bedeutet Genuss beim Wandern für dich? Und welche ist deine liebste Genusswanderung? Ich freue mich, wenn du deine Gedanken oder Erfahrungen in den Kommentaren teilst.

Auf dem Blog entstehen ausserdem nach und nach weitere Beiträge rund ums Wandern in den verschiedenen Jahreszeiten. Auch dort steht nicht die Leistung im Vordergrund, sondern das bewusste Unterwegssein – angepasst an das, was gerade guttut.

Leistung darf sein – Abwertung nicht

Mir ist wichtig, das klar zu sagen: Natürlich ist es völlig in Ordnung, beim Wandern Leistung bringen zu wollen. Sich Ziele zu setzen, an die eigenen Grenzen zu gehen oder bewusst eine Herausforderung zu suchen – sei es eine lange Distanz, viele Höhenmeter oder auch 50 Kilometer am Stück zu gehen – all das hat genauso seine Berechtigung.

Leistungsorientiertes Wandern ist nicht besser oder schlechter als Genusswandern. Es ist einfach eine andere Form davon. Und für viele Menschen genau das Richtige.

Womit ich Mühe habe, ist nicht die Leistung an sich, sondern die Abwertung anderer Formen des Unterwegsseins. Wenn Genusswanderungen kleingeredet oder als „keine richtigen Wanderungen“ bezeichnet werden. Denn Wandern ist kein Entweder-oder. Es darf fordernd sein. Es darf leicht sein. Und es darf sich je nach Lebensphase, Tagesform oder Bedürfnis verändern.

Wandern ist, was dir guttut

Wandern muss nicht höher, schneller oder weiter sein. Es darf ruhig sein. Persönlich. Leicht.

Wenn du gerne draussen bist, dich bewegst und die Natur geniesst, dann wanderst du. Ganz unabhängig davon, wie viele Kilometer auf der Uhr stehen oder wie andere das einordnen.

Genusswandern ist kein Kompromiss – es ist eine bewusste Entscheidung für dich selbst.

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