Als der letzte Schnee im Elfendorf geschmolzen war und selbst im hohen Norden die ersten Eiskristalle zu Tropfen wurden, sah man Blitz und Glitzi nicht mehr durch Schneestürme sausen.
„Und was machen Weihnachtselfen eigentlich im Frühling?“, fragte ein junger Wichtel neugierig.
Blitz grinste.
Glitzi lächelte geheimnisvoll.
Denn nur wenige wussten:
Weihnachtselfen sind nicht nur Hüter des Weihnachtszaubers.
Sie sind auch Hüter des Gleichgewichts.
Ein ungewohntes Funkeln
Eines Morgens, als auf der Erde die ersten Schneeglöckchen ihre Köpfe durch die Erde schoben und Krokusse die Wiesen violett färbten, begann Glitzis Zauberbuch leise zu schimmern.
Doch es war kein goldenes Weihnachtsleuchten.
Es war ein sanftes, grünes Flackern.
Blitz öffnete seinen Funkenbeutel – aber die Funken sprangen unruhig.
„Die Erde ruft“, flüsterte Glitzi.
Und so spannten sie ihre schimmernden Flügel und glitten auf dem milden Frühlingswind zur Erde.
Was der Frühling erzählte
Unten erwachte die Welt.
Vögel bauten Nester.
Kinder spielten draussen.
Die Luft roch nach Neubeginn.
Doch zwischen all dem hörten die Elfen etwas anderes:
Ein leises Seufzen.
Sie sahen Blumen, die zwischen Plastik wuchsen.
Bäche, die nicht mehr klar funkelten.
Bäume, deren Äste zu früh gefällt wurden.
Blitz wurde ungewöhnlich still.
Und wenn Blitz still wurde, war das selten ein gutes Zeichen.
„Im Winter schenken wir Wärme“, sagte er leise.
„Aber im Frühling braucht die Erde etwas anderes.“
Glitzi nickte.
„Sie braucht Achtsamkeit.“
Der Zauber, der keiner ist
Anstatt Funken in die Herzen zu wirbeln, setzte sich Blitz neben ein Kind, das achtlos Papier ins Gras warf. Er ließ einen einzigen, winzigen Lichtpunkt tanzen – gerade so hell, dass das Kind innehielt.
Es hob das Papier wieder auf.
Glitzi strich mit ihren Fingern über einen jungen Baum und flüsterte:
„Wachse stark.“
Und sie ließ ein Mädchen spüren, wie besonders dieser Baum war.
Am nächsten Tag brachte das Mädchen Wasser für ihn.
Kein großer Zauber.
Keine Glocken.
Kein Sturm aus Magie.
Nur kleine Impulse.
Denn der Frühling braucht keine Wunder.
Er braucht Menschen, die hinschauen.
Die wahre Aufgabe
Als die Sonne höher stieg und die Wiesen voller Farben waren, setzte sich Blitz ins Gras.
„Weißt du“, sagte er nachdenklich, „wir können Funken schenken. Aber behalten müssen sie die Menschen selbst.“
Glitzi schloss ihr Buch.
„Vielleicht ist das der wichtigste Zauber von allen.“
Sie sahen, wie Nachbarn gemeinsam Beete bepflanzten.
Wie jemand Müll sammelte.
Wie Kinder staunend einen Marienkäfer betrachteten, statt ihn wegzuschieben.
Die Erde atmete leiser.
Ruhiger.
Nicht perfekt.
Aber hoffnungsvoll.
Und wenn du genau hinsiehst …
Seitdem reisen Blitz und Glitzi nicht nur im Winter.
Im Frühling fliegen sie besonders leise.
Manchmal als warmer Windhauch.
Manchmal als unerklärliches Funkeln auf einem Tautropfen.
Und wenn du im Frühling plötzlich das Gefühl hast,
achtsamer zu sein,
eine Blume stehen zu lassen,
einen Baum zu umarmen
oder Müll aufzuheben, der nicht deiner ist …
Dann weißt du:
Blitz und Glitzi waren da.
Und der Zauber beginnt nicht am Nordpol.
Er beginnt bei uns. 🌍✨


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