Der August zeigte sich von seiner schönsten Seite. Die Sonne wärmte den Wald, bunte Blumen blühten entlang der Wege und ein angenehmer Sommerwind strich sanft durch die Baumwipfel.
„Heute weht der Wind ganz schön“, sagte Glitz und hielt ihre Hand in die Luft.
Blitz schaute sich um.
„Welcher Wind? Ich sehe gar keinen.“
Glitz musste schmunzeln.
„Man muss den Wind auch nicht sehen.“
Blitz verschränkte die Arme.
„Dann ist er vielleicht gar nicht da.“
Neugierig machten sich die beiden auf den Weg. Ein schmaler Pfad führte sie hinauf auf einen kleinen Hügel, von dem aus sie weit über den Wald, die Wiesen und Felder blicken konnten.
Kaum hatten sie den Hügel erreicht, wehte ihnen eine frische Brise entgegen.
Blitz lachte.
„Jetzt spüre ich ihn! Aber sehen kann ich ihn trotzdem nicht.“
Da summte Mavi heran.
„Hallo ihr zwei!“
„Mavi“, rief Blitz, „kannst du den Wind sehen?“
Die kleine Biene schüttelte den Kopf.
„Nein.“
Blitz grinste.
„Dann gibt es ihn vielleicht wirklich nicht.“
Mavi flog ein kleines Stück nach oben.
„Dann schau doch einmal ganz genau hin.“
Blitz blickte über den Hügel.
Die hohen Gräser bewegten sich wie Wellen.
Die Blätter der Bäume begannen leise zu rauschen.
Ein Schmetterling liess sich ein Stück vom Wind tragen.
Hoch oben zog ein Bussard fast regungslos seine Kreise.
Und plötzlich löste sich ein kleiner Löwenzahnsamen von einer Wiese und tanzte durch die Luft.
„Den kennen wir doch!“, sagte Glitz lächelnd.
Blitz nickte.
„Genau wie den kleinen Samen auf seiner Reise.“
Mavi setzte sich auf eine Blüte.
„Der Wind ist ein unsichtbarer Helfer.“
„Wie meinst du das?“, fragte Blitz.
„Er trägt Samen an neue Orte. Er hilft manchen Vögeln beim Fliegen. Er bringt den Duft der Blumen zu uns und sorgt an heissen Tagen für eine angenehme Abkühlung.“
Blitz schaute wieder über den Hügel.
„Dann kann etwas also wichtig sein, obwohl man es gar nicht sieht.“
„Ganz genau“, antwortete Mavi.
In diesem Moment flog ein Schmetterling an ihnen vorbei.
Der Wind trug ihn sanft über die Wiese, bis er auf einer Blüte landete.
„Der Wind hat ihm gerade geholfen“, sagte Glitz.
„Ja“, nickte Mavi.
„Und trotzdem hat ihn niemand gesehen.“
Blitz setzte sich ins weiche Gras.
Er schloss für einen Moment die Augen.
Jetzt hörte er das Rascheln der Blätter.
Er spürte die warme Sommerluft auf seinem Gesicht.
Er roch den Duft der Blumen.
Und er fühlte den Wind in seinen Haaren.
Langsam lächelte er.
„Vielleicht muss man manche Dinge gar nicht sehen.“
„Sondern nur aufmerksam genug sein, um sie zu bemerken“, ergänzte Glitz.
Mavi flog noch eine kleine Runde über den Hügel.
„In der Natur gibt es viele Wunder. Manche sind bunt und laut.“
Sie blickte hinauf in den Himmel.
„Und manche sind ganz leise und unsichtbar.“
Gemeinsam blieben sie noch eine Weile auf dem Hügel sitzen.
Sie beobachteten, wie die Wolken langsam weiterzogen, wie die Gräser im Wind tanzten und wie immer wieder kleine Samen ihre Reise begannen.
Blitz lächelte.
„Jetzt weiss ich: Nur weil ich etwas nicht sehen kann, heisst das noch lange nicht, dass es nicht da ist.“
Der Sommerwind strich noch einmal sanft über den Hügel und liess die Blumen fröhlich nicken.
Es war, als würde die Natur den beiden zustimmen.
✨ Seit diesem Tag erinnern sich Blitz und Glitz immer daran, dass viele der wichtigsten Dinge im Leben unsichtbar sind – wie Vertrauen, Freundlichkeit oder der Wind. Man kann sie nicht sehen, aber man erkennt sie an dem Guten, das sie bewirken. 🍃💚


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