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Vasaloppsleden Teil 2

Überraschende Begegnung

Ich kann immerhin von 7 bis 8 Uhr noch etwas schlaf nachholen. Die nächste Nacht sollte aber ruhiger werden. Ich frühstücke vor dem Haus und sehe im Augenwinkel eine andere Wanderin. Diese studiert gerade die Karte und steht mit dem Rücken gegen mich. Also komme ich nicht zum Grüssen. Die Frau in meinem Alter kommt dann aber auf mich zu. Die 2 Schwedinnen sprechen sie auf schwedisch an und ihre Antwort ist wie bei mir. Sie spreche kein schwedisch. Sie fragt mich ob ich Deutsch spreche irritiert antworte ich mit Ja. Ich muss in diesem Moment ängstlich ausgesehen haben denn sie meint nur keine Angst. Doch ich ahne schon die nächste Frage die kommt. Bist du Sabrina. Es hat mich tatsächlich eine Bloggleserin erkannt? Das ich hier draussen eine Leserin von mir treffe ist doch kaum möglich.

Facebook Bekanntschaften trifft man in der Wildnis

D. kennt mich und meine Pläne von Facebook. Sie hat mich durch die Suchfunktion gefunden und wir hatten sogar schriftlichen Kontakt. Wahnsinn ich freue mich unglaublich über diese unerwartete Begegnung. Da mich täglich mehrere Nachrichten erreichen, und durch die Änderungen meiner Pläne hatte ich überhaupt nicht auf dem Schirm das ich D. Begegnen könnte. Es war auch schon eine Weile her das wir Kontakt hatten und daher dachte ich nicht mehr daran. Es ist wahnsinnig schön eine Gleichgesinnte unterwegs zu treffen. Obwohl sie sicher etwas taffer und mutiger ist als ich.
Wir plaudern gut eine Stunde zusammen und verstehen uns prächtig. Schon wieder eine Österreicherin welche sehr sympathisch ist. Aber ich mag die Österreicher ja. Wir entdecken einige Gemeinsamkeiten auch bei unserer Ausrüstung. Nur das ich mich im Moment etwas scheue zu Zelten und D. Lieber im Zelt als in den Hütten schläft.

Weiter geht es Richtung Röstjärnstuga

Nach einer Stunde heisst es dann langsam Abschied nehmen. Aber ich hoffe wir bleiben zumindest virtuell in Kontakt. Es war eine sehr schöne morgen Überraschung für mich. Neu motiviert gehe ich weiter. Doch leider ist das Heimweh schneller und überholt mich. Immer wieder hoffe ich das es schnell vorüber geht. Sobald ich mit jemand darüber spreche geht es mir aber besser.
Von D. Weiss ich das es bei der nächsten Hütte der Röstjärnstuga einen schönen See zum Baden hat. Ich erreiche die Hütte schneller und ohne Pause. Das erstemal das ich 6km ohne Pause gemacht habe. Für andere wahrscheinlich eine normale Leistung. Ich habe im Süden bisher aber immer nach 3-4 km eine Pause eingelegt. Ich freue mich selber darüber. Das Gewicht des Rucksacks und mein Übergewicht vergesse ich selber oft und merke das beides meine Leistung schon mehr drosselt als ich es erwartet habe. Zudem bin ich sehr klein und meine Beine müssen sicher auch etwas mehr Schritte machen als bei den etwas grösserern Menschen.

Das Wetter hat gerade etwas umgeschlagen. Es ist kühler und windig geworden. Zum Wandern ideal aber den Sprung in den kleinen Badesee erspare ich mir. Obwohl er wirklich sehr schön gelegen ist und es auch ein Einstieg gibt.
Noch 7 km geht’s zur nächsten Hütte Sundetsstuga. Ich werde kurz von oben etwas erfrischt aber die Schauer ist kurz so dass ich auf meinen Poncho verzichte. Bereits um halb 5 erreiche ich die Hütte und werde von der Grillstelle aus auch schon von den 2 Damen erwartet. Die ältere ist übrigens Finnin und wohnt nur in Schweden.

Eine weitere Schlaflose Nacht?

Etwas erstaunt nehme ich dies zur Kenntnis. Ich habe sie falsch verstanden und die beiden gehen erst morgen nach Hause. Die beiden sind sehr freundlich und herzlich nur kann ich leider einfach schlecht bei diesen Geräuschen schlafen. Meine Freude ist deshalb im ersten Moment nicht sehr riesig. Ich freue mich über Gesellschaft aber Schlaf wäre mir auch wichtig. Wie sagte Mama früher: Dr 5er u ds Weggli gits nid. Nun ja das scheint auch hier einzutreffen. Nebst der Übernachtungshütte steht eine weitere kleinere Hütte. Ich versuche diese zu öffnen aber da die Türe etwas klemmt denke ich sie sei geschlossen. Meine 2 Wanderinnen sagen mir dann aber Sie sei offen. Erstaunt und gleichzeitig riesig erfreut stelle ich fest, dass es hier 4 weitere Schlafmöglichkeiten gibt. Etwas peinlich ist es mir schon als ich meinen Rucksack aus der grosse Hütte hole und in die kleine Hütte bringe. Ich erkläre mich den 2 kurz aber sie winken nur lachend ab. Ob sie den Grund kennen? Aber vielleicht schnarche ich ja auch und so ist beiden Parteien gedient.

U ig ha Heiweh nach de Berge….

In der Hütte richte ich mich gemütlich ein als mich das Heimweh wieder mit voller Wucht trifft. Ich weine vor mich hin und möchte am liebsten meine Sachen packen und nach Hause düsen. Ich bin ziemlich fertig mit mir und der Welt, passend dazu ist draussen eine düstere Stimmung und es regnet. Ich würde liebend Gerne mich kurz nach Hause beamen. Nur das Problem ist das ich weiss das ich dies schnell bereuen würde. Mir gefällt meine Reise und vor allem die Umgebung. Ich habe auch mit Heimweh gerechnet, allerdings nicht in dieser Intensität. Ich kann langsam nachvollziehen warum die meisten ihren Trip aus mentalen Gründen abbrechen. Zudem bin ich mir fast sicher das die « Dunkel Ziffer « hier sicher auch gross ist. Es wird einige geben die ein körperliches Leiden vorschieben werden. Es ist deutlich einfacher seine Reise mit einer Verletzung als Grund zu beenden als sich und den Mitmenschen einzugestehen das es mentale Gründe sind.
Nach einem kurzen Telefonat mit Zuhause geht es auch meinem Heimweh etwas besser. Ich plane Mora nun in 3 statt 4 weiteren Tagen zu erreichen. Die Hütten sind für mich etwas ungeeignet gelegen. 2 Etappen sind mir etwas zu viel. 1 Etappe ist fast zu wenig. Ich nehme mir vor in der Mitte irgendwo mein Zelt aufzuschlagen. Von D. Kommt dann aber die Info das es schwer sei. Der Waldboden ist meistens völlig zu gewuchert so das es kaum möglich ist darauf das Zelt zu stellen. Sie habe auch immer in der Nähe der Hütten gezeltet.
So heisst es für mich dann am letzten Tag nun halt 22 km was aber eigentlich schon machbar ist.
Nach einer kurzen WhatsApp Nachrichten steht auch fest das ich in Sollerön bei A. Übernachten darf. Ich freue mich sie wieder zu sehen auch diese Aussicht hebt meine Stimmung. Ich hoffe das mein Heimweh nun einfach bisschen länger fernbleibt.

Sonnenschein

Es regnet weiter und so esse ich mein Abendessen in der Hütte. Ich nutze den Abend um etwas zu lesen als ich draussen Stimme höre. Die Sonne ist wieder da und die 2 Damen stehen am Steg. Sie fragen mich ob es mich stören würde wenn sie ohne Kleider baden. Meine Antwort ist nur das mich dies nicht störe und ich als Krankenschwester auch kein Probleme habe.
Während Sie ihr Bad geniesse tanke ich am Steg etwas Sonne. Ich geniesse die Landschaft um mich herum. Wie bei meinem ersten Schweden Besuch finde ich das die Farben der Natur hier viel kräftiger und intensiver sind. Ob ich mir das nur einbilde? Das satte Blau des Wassers lät wirklich zum reinspringen ein.

Am Schluss überwinde ich mich auch und springe kurz in den See. Doch sehr erfrischend aber auch herrlich. Zurück in meiner Hütte gehe ich noch auf Mücken Jagd. Ich hoffe es finden keine weiteren mehr rein. Heute geht es wieder etwas später ins Bett. Ich lese noch ein bisschen. In dieser Nacht kann ich viel besser schlafen.

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