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Narvik – Göteborg

Die letzte Nacht konnte ich trotz Gedanken-Karussell einigermassen schlafen. Am Morgen erwache ich und frage mich kurz warum ich meine Reise nicht durchgezogen haben. Ich bin wütend auf mich selber den dieses hin und her und «nicht wissen wollen was ich will» ist etwas was mich bei anderen immer ziemlich nervt. Interessant finde ich, dass ich in meinem Leben öfters Dinge erlebe über die ich mich bei anderen Nerve. Auch Dinge welche ich sagen würde das ich es nie machen würde, erlebe ich dann selber und verhalte mich so wie ich es nie erwartet hätte.

Wiederum versuche ich an die Nacht zu denken als ich vor Kälte geschlottert habe und wie sicher ich mir in diesem Moment war. Jetzt in der warmen Jugendherberge sieht es natürlich wieder anders aus.
Ich tausche mich über FB mit einigen Mädels aus und bin tief berührt von den Reaktionen. Zudem stelle ich fest, dass ich wohl auch einige Anfängerfehler gemacht habe. Ich habe einige Tage zu wenig und nichts warmes gegessen, was mein Kälteempfinden zusammen mit der enormen körperlichen Leistungen herabgesetzt hat.

Ich suche hier nicht nach Ausreden, aber ich versuche die letzten Tage für mich selber auch etwas Revue passieren zu lassen um daraus zu lernen. Mein Ziel ist es schliesslich immer noch auf dem Europäischen Fernwanderweg E1 zu wandern solange wie mich meine Füsse tragen und mein Konto gefüllt ist.

Erinnerungen

Ich mache mich auf den Weg zum Bahnhof. Die Reise mit dem Zug erinnert mich an meine InterRail Reise vor etwa 15 Jahren. Völlig unvorbereitet sind wir damals zu zweit auf eine Reise quer durch Südschweden aufgebrochen. Mit einem Zelt welches wohl aus einem einfachen Shop erstanden wurde und sicher nicht mit meinem Niak mithalten konnte. Wir haben nicht viel geplant und uns jeden Tag neu überlegt wohin wir gehen möchten. Trotz dieser Sorglosigkeit und ungeplanter Reise sind wir gesund zuhause angekommen.
Ich erinnere mich gerne an diese Zeit zurück und versuche mir die Zugreise, die mir bevorsteht, damit schmackhafter zu machen.

Zurück in Abisko

Nach 1.5h erreiche ich Abisko. Es fühlt sich einfach nur gut an hier zu sein. Ein bisschen wie nach Hause kommen. Etwas mehr als 3 h dauert mein Aufenthalt. Zeit also noch ein Abstecher zum Canyon zu machen.
Ein junger Mann kommt mir entgegen und sagt, dass die Rezeption geschlossen habe. Bevor ich aber in Schnappatmung verfalle meint er „Nur bis 14 Uhr“. Glück gehabt. Er fragt mich was es in der Gegend zu sehen gibt und ich freue mich, dass ich ihm zwei Sachen empfehlen kann. Der junge Herr aus Slowenien besichtigt also mit mir zusammen den Canyon. Wir unterhalten uns und ich freue mich darüber, dass ich inzwischen schon eine recht gute Unterhaltung in Englisch führen kann.

Er will dann noch auf den Nuolja während ich mich zur Rezeption begebe. Ich hatte schon eine kleine Vorahnung, aber ich schob diese schnell wieder beiseiten.

Das verlorene Paket

Die Dame an der Rezeption meint ich könnte mein Paket im Gepäckraum finden. Ich gehe also dahin. Im Raum befinden sich 4 Pakete und auf den ersten Blick ist keines davon meines. Tief einatmen und die Pakete nochmals genauer unter die Lupe nehmen. Aber tatsächlich, mein Paket ist nicht hier. Zurück an der Rezeption durchwühlt die Angestellte noch die Post von heute.; auch nichts. Meine Vorahnung hat sich also doch bestätigt.
Ich versuche mich auf der Posten ( Post von Norwegen) Seite von Norwegen zurecht zu finden und finde heraus, dass mein Paket zurück zum Absender gesendet wurde.

Zeichen?

Ziemlich erschöpft setze ich mich draussen hin und fange einfach an zu heulen. Das ganze endet in einem richtigen Heulkrampf. Ich mag in diesem Moment einfach gerade nicht mehr. Natürlich, mir ist nichts tragisches passiert. Alles was im Paket war, lässt sich ersetzen. Aber im Moment will ich einfach alles raus lassen. Ich war schon immer ein sehr emotionaler Mensch und mir hilft es meinen Gefühlen in diesem Moment freien Lauf zu lassen. Ich frage mich aber auch ob es Zeichen sind. Zeichen, dass dies nicht mein Weg ist und ich mich besser einfach wieder nach Hause begebe.

Es dauert auch nicht lange bis ich mich wieder gefangen habe. Nun gut, nutzen wir das Wlan von Abisko noch um zumindest noch ein Airbnb für Varberg zu organisieren. Ich habe gestern schon geschaut und eine Unterkunft für CHF 21.- gesehen. Diese ist nun aber natürlich bereits weg. Was anderes hätte mich auch überrascht. Also buche ich die nächst günstigere Unterkunft, welche aber schon das 3-fache kostet. Langsam ist mir mein Budget eh egal; dann werden ich halt weniger lange unterwegs sein, dafür eine tolle Zeit haben. Aber liebe Posten von euch lasse ich mich jetzt auch nicht unterkriegen. Aufstehen, Rucksack richten und weiter geht’s. Das Körnchen gibt’s bei mir ja nicht.

Der Kampfgeits kehrt zurück

Mein Kampfgeist erwacht langsam wieder.
(An dieser Stelle vielen Dank an alle aufmunternde Worte über Facebook. Die Nachrichten, die ich bekommen haben bestätigen mich unglaublich. Die Meisten ermutigen mich auf mein Bauchgefühl zu hören. Viele äussern auch, dass die Meisten Fehler machen, aber die Wenigsten dazu stehen. Es sei schön, dass ich dies mache. Zu den anderen sage ich gar nichts mehr. Die Anonymität des Internets… )

Weiter geht’s mit dem Zug nach Stockholm, Göteborg und Varberg dort wo der E1 seine erste Etappe auf schwedischem Boden startet.
Unterwegs bekomme ich noch eine sehr herzliche Nachricht von meiner Airbnb Gastgeberin. Das hört sich schonmal nach einem vielversprechenden Aufenthalt an.
Ich werde zwei Nächte in Varberg verweilen um mich neu zu orientieren.

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3 Kommentare

  1. Ines 8. Juni 2018

    Ein sehr schöner Beitrag mit tollen Fotos! Gut, dass du deine Pläne noch weiter verfolgst 😊 Weiter so!
    Liebe Grüße
    Ines

  2. Torsten | upandaway.de 12. Juni 2018

    Hallo Sabrina…

    … kannst du mir bitte sagen, wie der Canyon heißt, in dem ihr beiden unterwegs wart?

    Viele Grüße, Torsten…

    • Sabrina 13. Juni 2018 — Autor der Seiten

      Soweit ich weiss, Google sagt auch das gleich, ist dies der Abisko Canyon.

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