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Auf zum Nordkap

Auf dem Weg zum Nordkap

Am nächsten Tag geht es mit einer kleinen Probelermaschine nach Honnigsvag. Ich habe etwas Respekt vor diesem Flug, aber bis auf eine kleine Turbulenz ist es sehr ruhig. Nach der Zwischenlandung in Hammersfest kommen wir pünktlich an.

Wir können unser Gepäck selber ab dem Wagen nehmen. Bevor es Richtung Stadt geht, füllen wir nochmals unsere Wasserflaschen auf . Bei der Tankstelle bekommen wir noch das Letzte was uns fehlt: das Gas zum kochen. Wir überlegen dann kurz wie wir nun weiter vorgehen. Es ist bereits Mittag. Suchen wir uns nochmals ein Hotel oder versuchen wir ans Nordkap zu trampen?
Mein Plan war es mit dem Bus hochzukommen, dieser fährt aber nur einmal im Tag und wir haben ihn knapp verpasst. Wir besprechen mal bis um 14:00 Uhr unser Glück mit dem trampen zu versuchen. Ansonsten hätte M. eine günstige Jugendherberge gefunden. Wir haben aber Glück und bereits das zweite Auto nimmt uns mit. Zwar nicht bis ans Nordkap aber immerhin die ersten 10 von 33 Kilometer bringen wir so hinter uns. Der nette Norweger erzählt uns noch weshalb er hier im Norden lebt. Die Hauptgründe sind vorallem, dass hier oben alles etwas stressfreier sei. Nach 10 Kilometer bei einem Camping heißt es dann für uns zu Fuss weiter. Ja, ich bin natürlich zum Wandern gekommen, aber ich wollte auch am Nordkap starten.

Das Laufen geht soweit gut, auch wenn das Gewicht auf dem Rücken noch ungewohnt ist. Vorallem bei Steigungen ist es dann doch anstrengend. Nach 2 Kilometer hat die nächste Norwegerin mit uns erbarmen und nimmt uns bis zur nächsten Abzweigung mit. Für uns heisst es dann ca. 4 Kilometer weiter zu Fuss bevor uns ein Ehepaar mitnimmt. Mit ihnen dürfen wir bis zur letzten Abzweigung vor dem Nordkap mitfahren. Bis zu unserem vorläufigen Ziel sind es nun nur noch 13 Kilometer. Langsam kommen wir also wirklich näher. Ich befürchte schon, dass wir nun aber nicht mehr viele Trampe-Möglichkeiten haben. Das Trampglück steht aber zu uns. Ein Pole, der die Strasse bis ans Nordkap kontrollieren muss, nimmt uns mit. Ich kanns kaum glauben. Soviel Monate habe ich auf den Moment hingearbeitet, jetzt stehe ich hier. Wir schauen uns noch ausserhalb des abgesperrten Bereichs etwas um und machen bereits viele Fotos, als eine Dame auf uns zu kommt und uns bittet die Stelle für 40 Minuten zu verlassen.

Es laufen gerade Dreharbeiten und wir stehen im Weg. Auch zur berühmter Nordkap Kugel dürfen wir noch nicht. Wir erkunden die Gegend etwas. M. sieht dann den E1 Stein. Hier ist er also. Natürlich gibt es davon einige Bilder und ich geniesse den Moment. Jetzt beginnt mein Abenteuer also so richtig. Hier geht es los. Noch sind es gemischte Gefühle.

Auch weil das Reisen zu zweit für mich doch etwas anders ist als wenn ich alleine unterwegs bin. Wir warten noch etwas ab bis der Weg zum Nordkap Denkmal frei ist. Dafür haben wir Glück und es sind nur die Filmleute vor Ort. Zeit um viele Fotos zu machen.

Nachdem wir über zwei Stunde am Nordkap verbracht haben, überlegen wir uns wie es weitergeht. Da es noch ziemlich viel Schnee hat beschließen wir noch loszulaufen. Es ist bereits nach 17 Uhr, aber es bleibt noch lange hell. Nach 3km finden wir ein Schneefreies Plätzchen und richten unser Übernachtungslager ein. Beide Zelte sind schnell aufgestellt. Ich bin ziemlich aufgeregt, endlich steht meine erste Nacht im Freien bevor. Während ich koche, macht M. einen kleinen Entdeckungsspaziergang. Er findet noch einen kleinen See, welcher ein schönes Fotomotiv gibt.

Nach dem Essen gehe auch ich noch auf Erkundungs-und Fototour. Was für eine Landschaft. Ich könnte stundenlang hier sitzen und dem Sonnenuntergang zusehen. Dafür müsste es jedoch ein paar Grad wärmer sein. Es ist doch ziemlich kühl und ich freue mich einfach nur noch darauf mich in den Schlafsack zu kuscheln. Schnell koche ich uns noch etwas Wasser für eine Bettflasche. Nach meinen obligaten Aufwärmübungen (natürlich nur bei kalten Outdoor Übernachtungen) geht es heute früh in den Schlafsack. Ich kann jedoch bis 4 Uhr kein Auge zu tun. Es ist ziemlich kälter als ich erwartet habe. Ich decke mich mit meiner Daunenjacke und dem Poncho zu, aber auch dies hilft nur bedingt. Ich liege im Zelt und mein ganzer Körper schlottert vor Kälte. Viele Gedanken gehen mir da durch den Kopf, aber ich weiss und hoffe, dass es nun auch hier oben bald wärmer wird. Die Möglichkeit besteht zudem, dass wir in den nächsten Tagen auch viele Jugendherberge in der Nähe haben. Tägliche Übernachtung in diesen liegt zwar nicht im Budget. Aber eine vor Kälte schlotternde Nacht raubt einfach zuviel Energie. Um 4 Uhr gehe ich nochmals aufs WC und mache gleich noch einige Hampelmänner. Diese zeigen Wirkung und ich habe endlich einigermaßen warm. Bereits um 8 Uhr bin ich aber wieder wach.

M. scheint noch im Land der Träume zu sein. Es geht ein ziemlich frischer Wind und ich mache einen kleinen Spaziergang. Um halb zehn Uhr wecke ich M. und wir beginnen mit dem Zeltabau; was sich als ziemlich schwierig herausstellt. Es windet ziemlich heftig und mein Hilleberg droht wegzufliegen. Zusammen schaffen wir es aber alles heil zu verstauen. Ich hoffe, dass ich das dann auch alleine hinkriege würde. Ich habe aber ein wichtiges Teil meiner Ausrüstung unterwegs verloren. Ich muss also heute noch eine Apotheke besuchen. Bis nach Honnigsvag sind es aber noch 30 Kilometer und so beschließen wir heute nochmals zu trampen. Es sind schliesslich auch 2 Etappen bis nach Honnigsvag und ich hätte mir für diese Strecke 1.5 Tage berechnet. Die meisten Touristen sind aber noch nicht unterwegs, so dass wir bis fast zur Abzweigung Skarsvag laufen. Es ist zeitweise eine ziemlich anstrengend Strecke. Immer wenn wir hochgehen bläst der Wind unbarmherzig auf uns. Teilweise so stark, dass es mir fast den Atem raubt. Ich frage mich warum ich mir das antue. Kurz denke ich auch an alle, die mir davon abgeraten haben um diese Zeit mit meinem Trip zu starten; natürlich hatten die Meisten recht. Aber ich habe ja auch meine Gründe.

Die Temperaturen wären gar nicht so tief, aber durch den frostige Wind fühlt es sich viel kälter an. Nach einigen Kilometer laufen wir im Schutz eines Berges. Ohne den Wind kommt bei mir wieder Freude auf. Ich kann die verschneite, unendlich weite Landschaft um mich herum geniessen.

Zudem bin ich in mein Tempo gekommen. M. läuft vor mir etwas schneller. Ich bleibe aber in meinem Tempo, denn ich weiss, dass ich sonst schnell ermüde. Wir lassen den Berg, welcher uns Windschutz geboten hat, hinter uns. Es geht wieder weiter mit dem beißenden Wind. Ich merke auch, dass ich sehr wenig geschlafen habe; für eine Pause ist es aber noch zu früh. Also durchbeissen und weiter gehen. Ein Kilometer vor der Abzweigung werden wir aber von noch bis zu dieser mitgenommen. Dieses Mal von einem Lieferwagen. Wir dürfen hinten Platz nehmen. Das Pärchen will sich Skarsvag ansehen, verspricht uns aber uns weiter mitzunehmen, wenn sie uns noch einmal antreffen. Danach heisst es wieder laufen. Zurück im eisigen Wind. Nach einem Energie Drops, welche mir ein Kollege zum Abschied mitgegeben hat, finde ich tatsächlich wieder Motivation. Gerade als ich M. um eine Pause beten will, hält ein Minivan. 6 Jungs ( oder auch ältere Herren) sind so freundlich und nehmen uns mit. Sie sind auf einer Männer-Angel-Tour unterwegs und von Deutschland. Sie haben nur noch ein Sitzplatz aber einen grossen Kofferraum in dem ich Platz finde.

Sie nehmen uns mit bis Honnigsvag. Ich bin riesig erleichtert, dass ich noch zur Apotheke komme. Diese hat nicht wie im Internet erwähnt bis 18:00 geöffnet sondern nur bis 16:00. Ich war nicht sicher, ob ich hier mein Frauenzeugs bekomme, habe aber Glück.
Nach dem Blick auf die Wetterapp beschließen wir die Nacht in Honnigsvag zu bleiben. Es soll wieder stürmisch werden. Die nächste Tagen werden ruhiger und auch etwas wärmer. Obwohl dies mein Budget etwas übersteigt, ist es auch für mich in Ordnung. Wir checken in der Jugendherberge ein und erkunden ohne Rucksäcke die Stadt. Nach der leider nur lauwarmen Dusche werde ich mit einem leckeren Abendessen belohnt.

Obwohl wir erst seit wenigen Tagen unterwegs sind nutzen wir noch die Möglichkeit unsere Kleider zu waschen. Müde fallen wir beide am Abend in unsere Betten.

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