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Von Mora nach Smedjebacken

Tschüss Wunderschönes Sollerön

Von Sollerön mache ich mich auf den Weg zurück auf den Trail. Die ersten 2 Etappen bin ich noch auf dem Europäischen Fernwanderweg E1 unterwegs. Ich beschliesse dann aber diesen zu verlassen und laufe entlang der Forststrasse Richtung Siljansnäs.
Da ich nun weiss, dass mein Körper kürzere Etappen braucht ist es mir so wohler. Der Waldboden ist extrem überwuchert und trotz des Jedermanns Recht von Schweden ist es deshalb nicht immer möglich das Zelt aufzustellen. Entweder ist der Waldboden verwuchert oder ich müsste mein Zelt zu nah an den Häuser stellen. Es ist sicher machbar aber für mich nicht stimmig.

Der erste Tag war ich hauptsächlich im Wald unterwegs. Auf meiner alternativ Route bin ich nun auch wieder mehr über Feldwege unterwegs und durchquere kleine Dörfer. Ich liebe es im Wald unterwegs zu sein. Merke aber auch das die offene Landschaft eine sehr schöne Abwechslung ist. Ich werde die nächsten 1-2 Monate noch sehr viel Wald zu sehen bekommen.

Das ist Schweden

Am 3 Tag laufe ich noch entlang des Siljansee. Dies hat den Vorteil das ich um den Mittag eine wunderschöne Badestelle erreiche. Ein kleiner Strand und eine grosse Wiese, der perfekte Ort für eine Mittagspause. Bevor es etwas zum essen gibt, gönne ich mir die Erfrischung im See. Das ist Schweden!

Nach einer längeren Pause geht es weiter. Ich bin ca. 2 h unterwegs als ein Auto hält. Eine Schwedin in meinem Alter möchte mich unbedingt mitnehmen. Sie ist mir sofort sympathisch und so beschliesse ich das Angebot anzunehmen. Sie nimmt mich auf den nächsten 10 Kilometer mit. Wir plaudern über Gott und die Welt. Hanna ist unterwegs nach Stockholm und froh die 4 Stunden nicht ganz alleine zu fahren.
Nachdem mich Hanna an der Verzweigung rauslassen hat, laufe ich weiter Richtung Djuras. Mein Ziel ist es in den nächsten Tagen Smedjebacken zu erreichen und da wieder auf den Europäischen Fernwanderweg E1 abzubiegen. Bald nach Smedjebacken beginnt der Bergslagsleden auf welchen ich mich sehr freue.

Ich werde in Smedjebacken noch einen oder 2 Ruhetag einlegen. Ich bin sehr gespannt auf den Ort denn der Name finde ich einfach schon toll. Es hört sich doch nach einem süssen Teiggepäck an.

Ungewohnte Unfreundlichkeit in Schweden

Ich erreiche immer kleinere Dörfer und da ich langsam müde werde Frage ich ob ich mein Zelt aufstellen dürfte. Das Ehepaar wirkt extrem mürrisch so das ich zuerst nach Wasser frage. Sie schütteln nur den Kopf. Ich getraue mich daher gar nicht mehr zu Fragen für ein Zeltplatz. Beim nächsten Haus kommt dann der Hinweis das in 10 Kilometer ein Campingplatz sei. Ich dürfte sicher da Zelten. Nun 10 Kilometer sind dann gerade noch etwas weit.
Ein kleiner Camper bekommt meine Suche nach einem Zeltplatz mit und bietet mir an mich zum Camping zu fahren. Dankbar nehme ich das Angebot an. Er geht ans Opern Air in Gagnef und fährt extra für mich zum Sifferbo Camping.

Die erste Nacht auf dem Camping

Hier werde ich gleich auf Deutsch begrüsst. Mein erster Campingplatz im Süden. Eigentlich wollte ich ja lieber Wildcampen aber die Dame an der Rezeption bestätigt mir das es in der Gegend nicht einfach sei. Ich erlebe auch das im Süden die Menschen immer etwas weniger offen werden.
Ich stelle mein Zelt auf gönne mir eine Dusche und geniesse den Abend im Zelt.

Inzwischen bin ich auch von meiner alternativ Route abgekommen so dass ich beschliesse am nächsten Tag bis Borlänge den Bus zu nehmen. Gemäss meiner App wäre die Alternative der Hauptstrasse entlang zu gehen was ich nicht unbedingt brauche.

Begrüssung auf Schwizerdütsch

Beim Frühstück vor meinem Zelt werde ich am nächsten Tag auf Schweizerdeutsch angesprochen. Der Campingplatz gehört tatsächlich einem Schweizer. Wir plaudern etwas und er meint das ich nicht der Strasse nach gehen soll. Auf dieser Strecke sei das definitiv zu gefährlich.
Ich fahre also bis Borlänge mit dem Bus und beschliesse dort ein Hotel zu beziehen. Ich wollte zuerst in die Jugendherberge aber nachdem ich die Rezessionen dazu gelesen habe war mir schnell klar das ich dort nicht Übernachten möchte.

Ich kann mein Rucksack im Hotel deponieren und noch etwas die Stadt besichtigen. Was sich, bis auf das Essen, aber nicht lohnt. Die Stadt ist ungemütlich und ich werde ständig von Bettler angerempelt und angesprochen. Es ist eine ganz andere Stimmung als in Mora oder den Orten in denen ich bisher war. Angeblich ist hier in Borlänge auch die Kriminalitätsrate sehr hoch.

Zufriedenheit

Ich verbringe einen gemütlichen Tag und merke das ich angekommen bin. Ich hadere nicht mehr mit mir selber. Ich bin zufrieden mit mir und meiner Reise auch wenn Sie anders verläuft als geplant. Nach dem Abendessen schreibe ich noch im Blog lese und kommuniziere mit Zuhause. Ich werde Borlänge sicher morgen so schnell wie möglich verlassen und überlege mir das es am besten ist zumindest für ein Stück den Bus zu nehmen. Ich möchte nicht zulange in dieser Gegend rumlaufen.

Die besten Erlebnisse sind die ungeplanten

Am Morgen beim Frühstück erreicht mich dann die Nachricht von einem Blogleser. A. Hat gelesen das ich Heimweh habe und bietet mir etwas Gesellschaft an. Wenn ich Lust hätte könnten wir auch einen Rundflug über die Gegend machen. Er geht jedoch davon aus das ich noch in Siljansnäs bin. Ich lese die Nachricht 2x und mein erste Reaktion ist Ja klar will ich!

Ich schreibe A. Sofort eine Nachricht und sage das ich bereits in Borlänge bin auf dem Weg nach Smelbecken. Das ich für ein Rundflug aber gerne meine Pläne ändere.
Inzwischen kommen aber auch einige Zweifel. Ich kenne A. Ja auch gar nicht. Ich nehme mein Telefonjoker Zuhause und erinnere mich an mein Bauchgefühl das sofort ja gesagt hat.

A. Schreibt mir inzwischen das es 11 km von Smedjebacken in Ludvika einen Flugplatz gebe. Er könne mich auch in Borlänge abholen und dann einen kleineen Rundflug über die Gegend machen und in Ludvika könne ich aussteigen. Was für ein Angebot. Ich kann so eine meiner Etappen fliegen. So geht es also auf den Weg zum Flughafen.
Meine schlechten Gefühle verfliegen als ich am Flughafen eintreffen. Nur etwas nervös bin ich. Ich warte kurz am Flughafen als das Flugzeug dann landet. Wir plaudern am Flughafen noch etwas zusammen und es ist schön sich fliessend in Deutsch zu unterhalten.

Über den Wolken

Danach wird mein schwerer Rucksack eingeladen. A. Meint noch das wir hoffnungslos überladen sein werden. Mein schlechtes Gewissen meldet sich aber er lacht nur und meint das sei kein Problem. Woran ich in diesem Moment nicht denke ist das Gas in meinem Rucksack. Ich führe 2 Glaskartuschen mit welche aus Sicherheitsgründen im Flugzeug nichts verloren haben. Ich denke jedoch überhaupt nicht daran.

Nach einer kurzen Sicherheitseinweisung geht es auch schon los. Schnell heben wir ab. Das Gefühl in einer solchen Maschine ist ganz was anderes. Obwohl es durch die heutige Thermik etwas wackelig ist fühle ich mich viel sicherere als in einem grossen Flugzeug. Wir überfliegen das Skigebiet Romme und über die Gegend von Dalarna Richtung Ludvika. Was für ein Moment was für ein Ausblick. Wir fliegen mit ca 150 km/h und in 500 Meter Höhe. Ich kann nicht anders als über mein ganzes Gesicht zu strahlen.

Ich bin unglaublich happy und zufrieden. Niemand wird mir dieses Erlebnis nehmen können oder schlecht reden. Ich geniesse es in vollen Zügen und kann kaum glauben was mir hier gerade passiert. Ich habe am Morgen zu einer Kollegin gesagt entweder werde ich die Geschichte nicht überleben weil ich zu einem fremden Mann ins Flugzeug gestiegen bin oder es wird das Erlebnis meiner Reise. Definitiv ist es das 2. Ich hätte nie erwartet sowas zu erleben. Ich werde noch weitere tolle Erlebnisse haben, dieses zu toppen wird aber schwer. Aber auf einer andere Ebene werden noch Sachen kommen die ich auch geniessen kann.

Ich fliege…

Wir sind einige Minuten in der Luft als A. Mich fragt ob ich selber fliegen möchte. Bevor ich mir dies überhaupt überlegen kann reagieren meine Hände und ich halte den Steuerknüppel in 2 Finger. A. Lässt los und ich fliege die Maschine. Was für ein Gefühl. Völlig überrascht bin ich was für feine Bewegungen nötig sind um die Maschine zu steuern. Zum Glück sitzt ein erfahrener Pilot neben mir. Ich habe keine Ahnung wie lange wir in der Luft sind aber der Rundflug war gigantisch.

Ich übergebe das Steuer wieder und erlebe eine perfekte Landung in Ludvika. Der Flughafen befindet sich allerdings 11 km ausserhalb der Stadt. Wir beschliessen in die Stadt zu trampen und noch etwas zu trinken oder essen zu gehen. Unterwegs beim plaudern kommen wir darauf wie ich unterwegs koche. A. Fragt mich ob ich im Rucksack Gas habe. Total geschockt schaue ich ihn an. Nun ja zum Glück ist nichts passiert. Aber definitiv könnte ich mich für meine Dummheit in diesem Moment selber Ohrfeigen.

Gemütlicher Abend in Ludvika

Wir finden eine Bushaltestelle aber da dieser 20 Minuten Verspätung hat trampen wir Richtung Stadt. Ein kleiner Bus nimmt uns mit. Auch diese sind auf dem Weg zum Festival. Dieses scheint bekannt zu sein.
Ich lade A. Zum essen ein und wir verbringen einen gemütlichen und sehr schöner Abend in Ludvika. Ich übernachte hier. An Schlaf ist aber überhaupt nicht zu denken. Ich bin extrem aufgekratzt und habe ein richtiges Adrenalin Flash. Was für ein Tag. Heute hat mein Neffe Geburtstag und ich werde mich so wohl immer an dieses Erlebnis erinnern.

Lange liege ich wach. Am nächsten Morgen bin ich extrem geräderet vom Schlafmangel, da es regnet und ich massig Zeit habe beschliesse ich ein Ruhetag einzulegen und heute einfach nichts zu tun. So kann ich das gestrige Abenteuer während meines Abenteuers in Ruhe verdauen.
Das schöne ist das mich viele Nachrichten erreiche und diesesmal kommt öfters das Feedback das man sich für mich freut, das ich es verdient habe. Keiner schreibt etwas von Neid was mich zusätzlich extrem freut. Es ist schön das es Menschen gibt die mit mir meine Freude teilen.

Ein bekannter schreibt mir dann noch «Planen kann man, damit man später etwas zu Lachen hat»
Ich finde diese Aussage passt perfekt zu meiner Reise. Mir wird immer bewusster das ich froh bin das es nicht Stur nach Plan läuft. Dann hätte ich nämlich diesen Flug nicht erlebt. Hätte Emma und beide A. Nicht kennengelernt. Ich mag diese Erlebnisse viel mehr Sie machen meine Auszeit zu etwas ganz besonderem. Ich lebe nicht vom wandern und werde diese Reise nur einmal erleben. Ich werde rein aus finanzieller Sicht nicht ständig Monate lang unterwegs sein. Mein Ziel war es immer Skandinavien zu Fuss zu erkunden. Dieses Ziel erreiche ich genauso.

Mit offenen Augen und Herzen unterwegs zu sein lohnt sich für mich, Vielmehr als stur dem Europäischen Fernwanderweg E1 entlang zu wandern. Dies ist mir definitiv klar geworden. Es wird also wahrscheinlich weiter unerwartetes geben. Vielleicht aber vielleicht auch nicht. Ich nehme nun einfach wie es kommt.

Weiter gehts Richtung Smedjebacken

Am nächsten Tag wandere ich entlang der Strasse nach Smedjebacken. Hier ist der Weg für mich ungefährlicher, da es neben der Strasse einen breiten Streifen zum Gehen gibt.
In Smedjebacken war für mich klar das ich gerne im Lottas Übernachte möchte. Darauf habe ich mich schon länger gefreut. Egal das es schon wieder eine Indoor Übernachtung ist. Das Lottas ist ein kleine Pension welche sehr günstig Zimmer anbietet. Einige Zimmer sind winzig klein aber das Haus lässt das richtige Schweden feeling aufkommen. Bereits mehrmals wurde mir eine Übernachtung hier empfohlen. Es lohnt sich auf jeden Fall. Klein aber extrem viel Charme.

Morgen geht es dann weiter auf den Europäischen Fernwanderweg E1. Zuerst eine Etappe mit wildcampen wenn dies möglich ist. Danach werde ich ab Kloten den Bergslagsleden erreichen. Auch dieser ist ein Teil des Europäischen Fernwanderweg E1. Auf diesen bin ich sehr gespannt da ich viel Gutes über diesen Trail gelesen habe.

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