unterwegs-zuhause.com

Hallandsleden 1. Teil

Hallandsleden Varberg- Gällarpesjön

Die erste Etappe führt mich von Varberg nach Akulla. Am Morgen verlasse ich nur ungern das super bequeme Bett. In den nächsten Tagen werde ich aber hoffentlich in meinem Zelt übernachten. Aber mal schauen wie es dann wirklich kommt. Ich steuere als erstes die Bibliothek an, mit der Hoffnung, dass ich meine GPX Daten auf das Garmin laden kann.

Dies funktioniert natürlich nicht, was ich aber schon geahnt habe. Ich müsste das Garmin Tool installieren, ist ist auf einem öffentlichen Computer nicht möglich. Nun gut dann heisst es die nächsten 3 Wochen mit Kartenlesen auszukommen. Sollte ich ja rein theoretisch aus meiner Pfadfinderzeit noch drauf haben.
Ich marschiere völlig motiviert los, aber da Varberg gerade alle Strassen am aufreissen ist und keine Umleitungen signalisiert sind, ist es gar nicht so einfach. Ich lande öfters in einer Sackgasse. Irgendwann erreiche ich aber das Stadtende und lasse die Bauarbeiten hinter mir.

Ich laufe zuerst noch durch einige Vororte von Varberg und was mir hier auffällt ist der Geruch. Es riecht intensiv nach Flieder. Die ersten Kilometer der Strecke sind nichts besonderes. Sobald ich aber die Stadt hinter mir gelassen habe, laufe ich durch Wälder und über Wiesen. Landschaftlich ist es hier im Süden ähnlich wie in der Schweiz nur noch weitläufiger.

Wenn Engel reisen lacht der Himmel

Ich bin knapp 2h unterwegs als sich direkt über mir ein Gewitter entlädt. Ich schaffe es zu spät mein Poncho aus dem Rucksack zu nehmen und bin innerhalb von Sekunden bis auf die Unterwäsche nass. Immerhin, es ist um die 20 Grad, so dass es zum Aushalten ist. Da ich ziemlich Respekt vor Gewitter habe, sitze ich es in einigermassen geschützten Rahmen aus. Ich habe ja zum Glück kein Stress. Nun regnet es während der weiteren Strecke mehr oder weniger immer. Es gibt kurze Aufklärungen, aber diese dauern nie lange.

Ich erreiche kleine Dörfer; anstatt Rentiere sehe ich nun hier auch viele Pferde und Kühe. Die Landschaft ist mit der im Norden nicht zu vergleichen. Etwas weniger eindrücklich, aber trotzdem sehr schön.
Meine Pausen mache ich heute während der Gewitter oder ich nutze die Bushaltestelle- Kabinen, für welche ich heute sehr dankbar bin.

Erstes Ziel Akulla

Etwas spät erreiche ich mein erstes Etappenziel. Ich habe gesehen, dass es hier eine Unterkunft gibt und dachte auch einen Windschutz gesehen zu haben. In Akulla gibt es jedoch nur eine kostenpflichtige Übernachtung. Zudem schliesst das Bed and Breakfast bereits um 17 Uhr. Ich werde diese Nacht bei Gewitter und Regen im Zelt verbringen. Obwohl immer noch alles nass ist, wird es im Zelt gemütlich warm. Ich schlafe immerhin 4 h tief und fest bevor ich mich dann noch etwas hin und her wälze.

Am Morgen bin ich bereits um 5 Uhr wach, döse aber bis 7 Uhr noch vor mich hin. Nachdem ich in meine immer noch nassen Klamotten geschlüpft bin, gibt es das Frühstück mit Aussicht auf den See. So kann doch ein Tag starten. Es ist noch etwas bewölkt, aber immerhin noch trocken. Gemäss Wettervorsage erwarten mich heute nochmals einige Gewitter. Dafür am Abend aber definitiv ein Windschutz. Das bedeutet immerhin, daas mein Zelt im Trockenen stehen wird. Zudem soll es Trocknungstürme geben. Keine Ahnung was ich mir darunter vorzustellen habe, aber trocken hört sich im Moment gut an.

Die 2. Etappe Akulla- Gällarpesjön

Ich laufe also weiter durch den Tag und ziemlich bald kommt die Sonne und es dauert keine Stunde bis meine Kleider wieder trocken sind. Danke Petrus!
Ich mache einige Pausen, den schliesslich stehen mir heute 17 Kilometer bevor. Ich kann also ganz gemütlich unterwegs sein. Nach der Pause geht’s weiter durch den Wald. Nach 30 Minuten sind plötzlich keine Roten Markierungen mehr zu sehen. Ich wandere zurück zur letzten Markierung und versuche den anderen Weg. Aber auch dort sind keine Roten Bänder zu sehen. Nun gut dann nochmals den Weg den ich zuerst gegangen bin. Ich gehe sicher 15 Minuten und der Weg wird immer weniger gut passierbar.

Im Zweifel hilft Google Maps

Da ich nicht im völligen abseits landen möchte, nehme ich Google Maps zu Hilfe. Diese orten mich zwar ohne Datenverbrauch, nur leider sind die Wanderwege nicht markiert. Ja das GPX wäre jetzt praktisch. Ich finde mich schliesslich auf einer Waldstrasse wieder und finde dank der Hallandsleden Beschreibung vom Internet auch schnell wieder auf den richtigen Hallandsleden. Eigentlich ist dieser sonst sehr gut markiert, nur gerade diese eine Stelle nicht. Wobei ich mich wahrscheinlich nur ein bisschen durch das Dickicht hätte Quälen müssen.

Der Weg geht immer weiter durch den Wald und ich bin dankbar für den Schatten. Natürlich werde ich jetzt nicht über die Hitze jammern. Schliesslich wollte ich in den Süden. Gemäss App sind es heute 27 Grad und gefühlte 33 Grad ( Aussage der App)

Unfreiwillige Blutspende

Es ist ziemlich schwül und ich komme heute nur langsam voran. Ich erreichen den ersten See und hier fängt dann die Mückenplage an. Aber ja auch etwas, was man weiss. Ich sprühe mich mehrmals mit Antimückenspray ein, aber mein Schweissgeruch scheint spannender zu sein. So bin ich für die Mücken ein wirklich gefundenes Fressen. Ich bin dankbar, dass ich den Biteaway dabei habe. Dieser lindert durch Hitze den Juckreiz. Sicher absolut nicht Ultra Leicht tauglich, aber ich bin ja sowiso nicht Ultra Leicht unterwegs.

Keine gute Tagesform

Nachdem ich bereits 3 h unterwegs , erwartet mich der happigste Teil von heute. Obwohl dieser Abschnitt mit leicht angegeben ist, empfinde ich dies ziemlich als anspruchsvoll. Ich kämpfe mich über grosse Steine, was einer halben Kletterpartie gleichkommt, um gleich danach durch ein sumpfigen Abschnitt zu waten. Wahrscheinlich wäre es mit etwas längeren Beinen kein Thema. Es sind wiederum nur 480 Höhenmeter; von zu hause bin ich mir ja mehr gewöhnt. Heute scheine ich aber sehr langsam unterwegs zu sein und nicht meine beste Tagesform zu haben. Ich bin öfters in Versuchung mein Zelt bereits aufzustellen. Es ist aber erst früher Nachmittag und Wasser fehlt hier auch. Also heisst es weiter und Schritt für Schritt zum nächsten Etappenziel. Ich bin bald ziemlich schweissgebadet. Ich frage mich und hoffe das man den Geruch selber irgendwann nicht mehr wahrnimmt.

Das Wasser ist mir ausgegangen, ich habe jedoch so Durst, dass ich nicht warten mag, bis ich den See erreiche. Ich komme gerade bei einem Haus vorbei und werde von einem kleinen Spaniel angebellt; die Besitzerin entschuldigt sich bei mir. Ich erzähle ihr, dass ich auch Hundebesitzerin bin und frage nach etwas Wasser. Ohne zu zögern füllt sie mir meine Trinkflaschen auf.

Die erste Übernachtung in einem Windschutz

Nach 9 h unterwegs sein, erreiche ich endlich den Windschutz. Dieser liegt direkt am See und so wird heute mit Seewassser gekocht. Zum trinken sieht das Wasser aber etwas zu unsauber aus. Ich benutze meinen Filter, welcher aber schon ein kleines Leck hat.
Um in Ruhe Essen zu können muss ich mich heute ins Zelt verziehen. Ich brauche definitiv so schnell wie möglich Mückespray Ersatz. Ich schaue auf der Karte für die nächste Einkaufsmöglichkeit. Morgen werde ich versuchen kurz weg vom Trail und in den nächsten Supermarkt zu kommen, den meine Füsse sind von Stichen übersät und leicht geschwollen.

Nächtliches Heimweh

Ich schlafe einigermassen. Wache jedoch um 4 Uhr morgens und plötzlich erfasst mich grosses Heimweh. Das Gedankenkarussel im Kopf beginnt zu drehen, so dass ich mich länger hin und her wälze. Was tue ich hier eigentlich genau? Ganz alleine in Schweden auf irgendwelchen Wanderwege und meine Familie und Freunde fehlen mir gerade. Ich versuche mir selber gut zu zureden. Denke daran wie ich mich auf diese Reise gefreut habe und versuche mich auf meine Atmung zu konzentrieren. Ich schlafe wieder ein und wache um 8 Uhr. Ich erkundige mich ob Zuhause alles in Ordnung sei; die Antwort kommt prompt. Ich geniesse die Aussicht und mein Heimweh wird dadurch etwas gelindert.

Morgenmuffel

Nach längeren herumtrödeln starte ich heute erst um 11 Uhr. Die nächste Etappe ist nur 14 Kilometer, aber mit dem Abstecher zum Supermarkt wären es deutlich mehr. Für mich bei der Hitze wohl etwas zu viel, so dass ich hoffe einen Bus erwische um in den Supermarkt zu kommen. Die Bus Verbindungen im Internet sind für mich aber nicht ganz verständlich und so werde ich mein Glück spontan versuchen. Dies ist bisher zwar nie gut gekommen, aber vielleicht habe ich heute Glück.

Weiter Beitrag

Zurück Beitrag

1 Kommentar

  1. Jonas 12. Juni 2018

    Hallo
    Statt Google Maps empfehle ich dir OsmAnd. Die Karten kannst du für Offline-Gebrauch downloaden und auch die Wanderwege sind drin.
    Beste Grüsse

Antworten

© 2018 unterwegs-zuhause.com

Thema von Anders Norén